Kunst-Bewegung ZERO – Alles zurück auf Null

Installation Günter Uecker

ZERO stand für die Stunde Null in der Nachkriegskunst. Mit der Bewegung wurden Ausstellungen zu fulminanten Happenings. Ihre Künstler huldigten der puren Farbe, dem puren Licht und der puren Bewegung – und sie wurde dennoch für Jahrzehnte vergessen. Eine Berliner Ausstellung würdigt Avantgardebewegung ZERO und zeigt, wie sie Kunst und vom historischen Ballast befreite. Von Maximilian Grosser. Weiterlesen

“Wir sind das Volk? Ihr seid gar nichts” – Jennifer Gegenläufer und ihr kraftvoller Rap

Jennifer Gegenläufers drastische Lyrik erinnert an “Howl” –  das Geheul, mit dem Allan Ginsberg 1955 dem Establishment seine Wut entgegenschleuderte. Heute gilt Ginsberg als herausragender Vertreter der Beat Generation. Jennifer Gegenläufer ist heute das Gesicht der jugendlichen Protestbewegung in Deutschland. Mit ihren wütenden Rap-Balladen verleiht sie der Frustration der Jugend Gehör. Ein Porträt von Jutta Schwengsbier. Weiterlesen

Aufruhr in Transnistrien – Moskau hat kein Geld mehr für die Separatistenrepublik

 

Transnistrien hatte sich nach dem Zerfall der Sowjetunion als unabhängig von der Republik Moldau erklärt, mit eine eigener Regierung, Währung, Verwaltung und Militär. Völkerrechtlich wird das Regime nicht als eigenständiger Staat anerkannt und steht nun, ohne die gewohnten Zuschüsse aus Russland, vor dem Bankrott. Auf den Strassen formiert sich seit Wochen der Protest. Hunderte marschieren immer wieder durch Triaspol. Simion Ciochina und Jutta Schwengsbier berichten Weiterlesen

Streifzug durch die Rockszene in Moldova und Transnistrien

holodnaya noch

Nur selten dringen aus der kleinen Republik Moldova, dem früheren Moldawien, Nachrichten zu uns. Und noch seltener hören wir etwas aus Transnistrien, jener kleinen, von Moskau ausgehaltenen Separatisten-Republik, die sich 1990 in einem Bürgerkrieg von Moldawien abspaltete. Inzwischen hat die Europäische Union mit der kleinen Republik ein Assoziierungsabkommen unterzeichnet, die Moldauer (Moldawier) dürfen visafrei reisen. Wie reflektieren eigentlich die Rockmusiker in Moldova und Transnistrien die Entwicklungen? Gibt es dort überhaupt eine Rockmusik-Szene? Und wenn ja, mit welchen Themen befassen sich die Texte der Musiker dort? Weiterlesen

Hans-Werner Kroesingers Neuinszenierung von Werfels „Vierzig Tage(n) des Musa Dagh“

In diesem Jahr jährt sich die Rettung von mehr als 4000 Armeniern vom Berg Musa Dagh durch Schiffe der französischen Marine vor 100 Jahren. Sieben armenische Dörfer hatten sich angesichts des im Osmanischen Reich wütenden Genozids entschlossen, auf den Berg nahe der syrischen Grenze zu ziehen und sich dort zu verteidigen. Mit Erfolg: sie wurden gerettet, während fast eine Million Armenier von den Türken auf bestialische Weise umgebracht wurden. Nun setzt sich der deutsche Dokumentarregisseur Hans-Werner Kroesinger in einer Inszenierung erneut mit den „40 Tagen des Musa Dagh“ auf Basis des Romans von Franz Werfel auseinander. Durch die Verbindung mit Dokumenten aus dem Auswärtigen Amt und aktuellen Bundestagsdebatten verleiht Kroesinger dem Stoff Aktualität und Brisanz. Die Frage steht im Raum: Hat sich Deutschland mitschuldig gemacht am ersten bekannten Völkermord? Jutta Schwengsbier berichtet. Weiterlesen

Krim: Gestohlenes Parlament

Die Krimtataren fühlen sich von der Welt vergessen

Mustafa Dshemilev wird die Rückkerh in seiner Heimat-verweigert

Mustafa Dshemilev wird die Rückkerh in seiner Heimat-verweigert

Während die Kämpfe in der Ostukraine trotz des in Minsk vereinbarten Waffenstillstands kein Ende nehmen wollen, gelangen Informationen von der annektierten Krim nur spärlich zu uns. Doch offenbar spitzt sich dort die Situation für die Krimtataren, immer weiter zu. Die 260000 Muslime, stellen auf der Halbinsel die größte nationale Minderheit. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Krimtataren von Stalin als fünfte Kolonne der Deutschen Wehrmacht verunglimpft und in die Steppen Kasachstans deportiert: Mit Beginn der Neunziger Jahre kehrten die Überlebenden der Deportation und deren Nachfahren zurück in ihre alte Heimat. Ihr Land, ihre Häuser aber waren da längst von Russen in Besitz genommen worden. Die pro-russischen Behörden auf der damals noch autonomen Krim taten alles, um den Krimtataren die Rückkehr so schwer wie möglich zu machen. Die neuen Machthaber betrachten die Krimtataren nun mehr oder weniger offen als Feinde.

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Schorfheide: Biologische Vielfalt dank Sperrgebiet

Seeblick

In Ostdeutschland schützte die Politikelite über Jahrzehnte Jagdgebiete für das eigene Vergnügen, die Natur wurde nicht zerstört. Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ist heute eines der artenreichsten in Europa. Die Region Schorfheide-Chorin wurde 1990, kurz nach der politischen Wende in Ostdeutschland, unter Schutz gestellt und ist seit 2011 UNESCO-Weltnaturerbe. Seit dem Mittelalter hatte das Zisterzienser-Kloster Chorin die Ländereien der Gegend bewirtschaftet. Später entdeckten dann die Mächtigen des Staates das Waldgebiet für sich. Die einzigartige Landschaft wurde zum Jagdrevier, welche nur der jeweiligen Politprominenz zur Verfügung stand. Dieser Geschichte ist es zu verdanken, dass die einzigartige Vegetation nicht zerstört wurde. Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin gilt heute als eines der artenreichsten Gebiete Europas. Von Jutta Schwengsbier. Weiterlesen

Das gekaufte Kinderglück – Georgiens neuer Leihmutter Boom

Paare, die selbst keine Kinder bekommen können, greifen immer häufiger auf Leihmütter zurück. In Deutschland ist das verboten. Für jemand anderen Kinder auszutragen, gilt als Schädigung des Körpers, vor allem aber als eine Kommerzialisierung von Frauen, die mit ethischen Grundsätzen nicht zu vereinbaren ist. Viele andere Länder, etwa die USA, Großbritannien oder Belgien, haben die Leihmutterschaft dagegen legalisiert.

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Lizzie Doron und ihr Buch „Who the fuck is Kafka“

Doron Who the fuck is Kafka?Vor wenigen Tagen erschien der neue Roman der israelischen Autorin Lizzie Doron. Lizzie Doron begann erst spät, nämlich im Alter von 40 Jahren mit dem Schreiben. Alle Bücher, die sie bisher schrieb wurden in ihrer Heimat Israel Bestseller und sind inzwischen in zahlreiche Sprachen übersetzt. Als sie einmal gefragt wurde, wie viele Bücher sie schreiben wolle, antwortete sie:  Sechs – für jede Million ermordeter Juden eines. Nun ist dieser sechste Roman erschienen. Und zum ersten Mal erscheint ein Roman von Lizzie Doron nicht zuerst in Israel, sondern in deutscher Übersetzung. Nachdem Lizzie Doron in ihren früheren Romanen die Traumata der Kinder von Holocaustopfern beschrieb und wie diese Traumata die israelische Gesellschaft bis heute prägen, geht es in „Who the fuck is Kafka?“ nun um den israelisch-palästinensischen Konflikt selbst. Mirko Schwanitz hat das Buch gelesen und die Autorin in ihrer Heimatstadt  Tel Aviv getroffen. Weiterlesen

Montenegro: Poetiker der Apokalypse

Der montenegrinische Autor Nikolaidis und die Pressefreiheit

Andrej Nikolaidis

Die Journalisten in Montenegro reiben sich zurzeit verdutzt die Augen angesichts der ungeheuren Solidaritätswelle, mit der sich die französische Öffentlichkeit schützend vor die Pressefreiheit stellt. Die Beileidsadresse, die Montenegros Premier Milo Djukanovic den Franzosen schickte empfinden sie wie eine Verhöhnung der Opfer. Denn in seinem eigenen Land bezeichnet er Journalisten schon mal als Agenten oder Medienmafia. In Djukanovics kleinen Adriastaat gehören Morde, Prügelattacken, Brandanschläge gegen Redaktionsgebäude zum Lebensalltag von Journalisten – ohne dass dies bisher in Europa auf ähnlich große Empörung gestoßen wäre, wie jetzt die Morde in Frankreich. Weiterlesen