Ukraine: Jamala – eine Krimtatarin fährt zum ESC

ESC-Teilnehmerin Ukraine: die krimtatarische Sängerin Jamals

Obwohl politische Texte eigentlich verboten sind, gewann in der Ukraine die krimtatarische Sängerin Jamala mit einem Lied, mit dem sie auf das Schicksal ihres Volkes aufmerksam machen will. Tatsächlich scheint das Schicksal der Krim-Tataren, der größten Minderheit auf der Krim niemanden mehr zu interessieren. Einige Beobachter sprechen gar von einem Kartell des Schweigens. Man nehme die Menschenrechtsverletzungen auf der Krim hin, um mit Russland über Syrien verhandeln zu können. Niemanden interessierte dass die gewählten politischen Führer der Krim-Tataren seit der Annexion nicht mehr in ihre Heimat können und das auch in den vergangenen Tagen auf der Krim wieder Hausdurchsuchungen und Verhaftungen von Krim-Tataren gegeben hat. Inzwischen sitzen viele mit fingierten Anklagen in Gefängnissen. Weiterlesen

Karim Wasfi – Cellospiel für den Frieden

Einem internationalen Publikum bekannt geworden ist Karim Wasfi nicht als Dirigent des irakischen nationalen Symphonieorchesters sondern als Cellist von Bagdad. Als Musiker könnte Karim Wasfi ein Weltstar sein, der in allen Konzertsälen der Erde ein begeistertes Publikum fände. Sein eigenes Cellospiel oder auch seine Interpretationen von Bach, Mahler oder Vivaldi als Dirigent mit großem Orchester, gehören zum besten, was die klassische Musikwelt derzeit zu bieten hat. Doch Wasfi entschied sich in Bagdad zu bleiben. Er will mit seiner Musik dazu beizutragen, sagt Wasfi, wieder Frieden zu schaffen, in diesem vom Terror zerrissenen Land. Jutta Schwengsbier mit dem Porträt eines aussergewöhnlichen Musikers. Weiterlesen

Wir sind Verräter

Wie sich Künstler gegen eine faschistoide Politik in Kroatien wehren

Seit 10 Tagen hat Kroatien nun eine neue Regierung und Europa ist derart mich beschäftig, dass es kaum wahrnimmt, dass das kleine Land sich immer mehr von den Werten entfernt, zu denen es sich mit dem Beitritt der Europäischen Union bekannt hat. Der neue kroatische Regierungschef, Tihomir Oreskovic, ein aus Kanada zurückgekehrter Exilkroate versteht offenbar so wenig Kroatisch, dass nicht er seine Minister, sondern seine Minister ihn kontrollieren. Einer dieser Minister wollte etwa „Staatsverräter“ in Listen erfassen lassen. Ein anderer erklärt den kroatischen Staat zum legitimen Nachfolger der faschistischen Marionettenrepublik von Ante Pavelic. Weiterlesen

Balkanroute: An der Grenze über die Grenze

IC-MN-Chefredakteur Mirko Schwanitz koordinierte für den WDR eine vielbeachtete Radioessayreihe mit Schriftstellern aus Ländern entlang der Balkanroute

Autorenporträts

vlnr: Draga Potocnijak (©Žiga Koritnik); Miljenko Jergovic (©Miodrag Trajković); Lena Divani (©privat); Sreten Ugricic (©Volker Dittrich); Vlada Urosevic (©Susanne Schleyer)

 

„Flüchtlinge“ wurde 2015 zum Wort des Jahres gekürt. Wir erinnern uns an das mediale Bombardement jener Monate, in denen es kein anderes Thema mehr zu geben schien. Das im Süd-Sudan mehr als eine Million Menschen vom Hungertod bedroht sind, das in der Ukraine 1,2 Millionen Menschen auf der Suche nach einem neuen Zuhause sind, das 12 Millionen Roma in Europa noch immer unter erbärmlichen und entwürdigen Bedingungen leben müssen, dass auf der Krim über 250 000 Tataren zunehmenden Repressionen der russischen Besatzungsmacht ausgesetzt sind, das die Arbeitsmigration in Europa mehr als zwei Millionen Kinder zwingt, ohne ihre Eltern aufzuwachsen – all das wurde und wird überlagert von dem einen Thema: „Flüchtlinge“. Weiterlesen

Volleyball über den Grenzzaun

Proteste gegen neue Grenzbarrieren in Slowenien und Kroatien

DSC_4126 Radetic

Es ist die Zeit der Zäune und Mauern. Nicht nur an den Außengrenzen der EU. Slowenien, das erste osteuropäische Land, das in die EU aufgenommen wurde, errichtet jetzt nach Victor Orbans Vorbild Stacheldrahtzäune zum EU-Nachbarn Kroatien. Die kroatischen und slowenischen Behörden schauen inzwischen aber verdutzt auf den Widerstand, der sich im istrischen Grenzland gegen den Zaun formiert. Die Menschen der Region, bekannt für ihre Toleranz, ihr friedliches Zusammenleben und für ihre Mehrsprachigkeit sind empört. Immer mehr Bürgerinitiativen gründen sich und machen mit Aktionen auf ihren Protest aufmerksam. Bojana Radetic und Mirko Schwanitz berichten. Weiterlesen

György Dragoman und die Bedeutung der Mythen in Osteuropa

György Dragoman Der ScheiterhaufenBereits mit seinem ersten Roman „Der weiße König“ erregte der ungarische Autor György Dragoman Aufmerksamkeit. In ihm berichtete er über einen kleinen Jungen, der versucht, in der bizarren Welt des rumänischen Diktators Ceausescu zu überleben. Auch in seinem neuen, soeben erschienenen Roman „Der Scheiterhaufen“ beschäftigt sich Dragoman mit dem Ende der Diktatur in Rumänien. Und doch geht es dem Autor, der mit seinen Eltern 1988 im Alter von 15 Jahren Rumänien verließ und seitdem in Ungarn lebt, nicht vordergründig um Rumänien. Sein Roman beschäftigt sich vor allem mit der Frage, wie wir alle Geschichte schreiben und was uns dabei beeinflusst. Entstanden ist dabei eine unter die Haut gehende Geschichte und ein magischer Moment der osteuropäischen Literatur. Mirko Schwanitz, hat den Autor György Dragoman getroffen. Weiterlesen

Brandenburg: Eine Herbstreise zu Märkischen Machern

Volker Müller-Hagenbeck

Erfinder der Annenwalder Schiffchen: Volker Müller-Hagenbeck

Im Juni reiste unser Autor Mirko Schwanitz schon einmal zu Brandenburger Unternehmern, alle mit recht ausgefallenen Geschäftsideen. Die einen entwickelten ein Weinschwein, ein anderer baute in Frankfurt Oder U-Boote, züchteten Blutegel oder destillierten trinkbares Flugbenzin. Folgen Sie heute Mirko Schwanitz doch auf seiner zweiten Tour. Wir können Ihnen versprechen, dass er wieder interessante Menschen getroffen hat, einen Mann der Schiffe für Häfen aus Sand baut, einen Mann der im 21. Jahrhundert die Goldenen Zwanziger Jahre konserviert oder einen, der den ersten vollelektronischen Schlüsselbund erfand. Sie werden einen Kerzenmacher kennenlernen, den sie nicht kennen, aber dessen Kerzen jeder von Ihnen, schon einmal gesehen hat. Und dranbleiben sollten sie in jedem Fall, wenn Sie wissen wollen, wie man Mondlandschaften in Naturschutzgebiete verwandelt…. Weiterlesen

Ukraine: Schützengräben und Kontaktzonen

Osteuropäische Intellektuelle beraten über den  Umgang mit Russlands Manipulationsfabriken

Bei einer Konferenzreihe in Tutzing, München und Berlin haben mehr als 80 junge Medienexperten, Journalisten, Schriftsteller und osteuropäische Nachwuchspolitiker darüber beraten, wie man der derzeitigen russischen Propagandamaschinerie wirksam begegnen könne. Immer wieder zur Sprache kamen dabei sogenannte Troll-Fabriken. Das sind keine Fabelwesen, die inzwischen industriell gefertigt werden. Als Trolle werden die meist jungen internet-Spezialisten bezeichnet, die für ein nach russischen Maßstäben fürstliches Gehalt in sozialen Netzwerken oder per Kommentarfunktion bei wichtigen westlichen Medien Propaganda-Botschaften verbreiten. Jutta Schwengsbier berichtet. Weiterlesen

TransStar – Übersetzer in Zeiten zunehmender Krisen

Der Frieden in der Welt scheint zunehmend bedroht. Die Nachrichten berichten über immer neue Kriege, Stellvertreterkriege und Krisen, über Flüchtlingsströme und eine zunehmende Armut. In vielen Ländern Europas nehmen die gesellschaftlichen Spannungen zu, zu beobachten derzeit gerade, wenn es um den Umgang mit den syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen geht. Seit nunmehr fast zehn Jahren gibt es ein von der Robert-Bosch-Stiftung, der Kulturstiftung des Bundes in Deutschland und der EU gefördertes Projekt – das sich TransStar Europa nennt. In ihm werden junge literarische  Übersetzer aus acht europäischen Ländern, darunter auch  die Schweiz, Österreich und Deutschlands auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet. Weiterlesen

Georgi Gospodinov: Geschichten erzählen in Zeiten der Krise

Der bulgarische Schriftsteller Georgi Gospodinov ist einer der wichtigsten Schriftsteller seines Landes. Immer wieder nimmt er nicht nur in Bulgarien Stellung zu aktuellen politischen Ereignissen. Gospodinov gehört auch zu jenen Schriftstellern, die vehement die These vertreten, dass Literatur gerade in jenen Zeiten eine wichtige Funktion habe, in der die Stimmen der Vernunft kaum zu hören sind. Und so irritiert ihn angesichts der aktuellen Ereignisse, wie viele Schriftsteller in Europa angesichts des Umgangs mit den syrischen Flüchtlingen noch schweigen würden. Weiterlesen