Polen: Die polnische Stadt Gliwice gedenkt den deutschen Juden Oberschlesiens

Jüdisches Begräbnishaus Gliwice

Es wird gebaut im schlesischen Gliwice, Gleiwitz, im Süden Polens. Aufwändig wird derzeit das einst prächtige jüdische Begräbnishaus wieder instand gesetzt und zu einem Museum der oberschlesischen Juden umgewidmet. Erinnert werden in der Einrichtung also vor allem deutsche Juden – denn die Region gehörte bis zum Zweiten Weltkrieg größtenteils zum Deutschen Reich.Doch mit der Ermordung durch die Nazis oder der Flucht hiesiger deutscher Juden ist offenbar auch das Interesse von deutscher Seite an deren reicher Geschichte in der Industrieregion verschwunden. Denn die Stadt Gliwice, die bislang die gesamten Baukosten von knapp 2 Millionen Euro trägt, hat auf ihre Nachfragen nach finanzieller Unterstützung durch deutsche Institutionen keine Rückmeldung erhalten.

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Israel: Dror Moreh – The Gatekeepers

Dror Moreh © cinephilDem israelischen Dokumentarfilm-Regisseur Dror Moreh ist gelungen, was noch keinem Journalisten oder Filmemacher bisher gelungen ist. Er hat alle sechs noch lebenden Chefs des Inlandsgeheimdienstes „Shin Bet“ dazu bewegen können, ihm lange Interviews zu geben. Aus dem Material entstand zunächst der Film „The Gatekeepers“, der in diesem Jahr für den Oscar nominiert war und nach seiner Ausstrahlung in Israel wie auch in den USA zu einem politischen Beben führte. In Israel bescherte die Ausstrahlung des Films Premiers Netanjahus regierenden Likudblock einen bei den letzten Wahlen einen Verlust von sechs Sitzen in der Knesseth, dem israelischen Parlament. Und das obwohl Moreh im Film lediglich drei Prozent des Interview-Materials verwendet hat. Weiterlesen

Armenien: „Wake up the souls“

Wie armenische Künstler die Folgen des Völkermords diskutieren

Am 24. April jährt sich der 100. Gedenktag des Genozids an den Armeniern. Noch nie wurde das Thema so breit diskutiert. Während in den USA, Deutschland und anderen Ländern noch heftig darüber diskutiert wird, ob der Begriff „Völkermord“ angebracht ist, thematisieren armenische Künstler ihre Jahrhunderte lange Rolle als Opfer und die Folgen des Genozids für ihre Gegenwart. Auch für die im Ausland lebenden Armenier ist der Völkermord noch sehr präsent. Weiterlesen

Tschernobyl: Schwarzes Leben – die vergessenen Liquidatoren

Als am 26. April 1986 der Reaktor des Kernkraftwerks Tschernobyl explodierte, spürte ganz Europa die Folgen. Vor allem betroffen: die Retter und Helfer der ersten Stunden. Bis zu ihrem Zerfall schickte die Sowjetunion mehr als 600 000 Menschen aus allen Sowjetrepubliken in die Unglückszone. Viele von ihnen starben. Die, die überlebten, leben heute in den Folgestaaten des einstigen Riesenreichs. Anders als die Helfer in Russland erhalten sie keinerlei Unterstützung. Ein Bericht von Simion Ciochina und Jutta Schwengsbier. Weiterlesen

Politik kotzt mich an – zu Besuch bei Daniil Granin

Er gilt als der letzte große Schriftsteller der Kriegsgeneration: Der russische Autor Daniil Granin. Über 14 Romane hat er geschrieben. Weltweit bekannt wurde er mit seinen Leningrader „Blockadetagebüchern“. Eigentlich wollte er nicht mehr über den Krieg schreiben. Doch das Auseinanderdriften der Welt veranlasste ihn, seine Meinung zu ändern. „Ich habe lange mit mir gerungen“, sagte der heute 96jährige im vergangenen Jahr in seiner bewegenden Rede vor dem deutschen Bundestag. „Aber am Ende habe ich mich entschieden, erstmals über m e i n e n Krieg, m e i n e Schützengrabenwahrheit zu schreiben.“ Weiterlesen

Armenien: Jerewan – eine Stadt sucht ihre Altstadt

Jerewans Altstadt

Am 18. April ist der Internationale Tag des Denkmals. Als Tag der Erinnerung an Geschichte und Geschichten. In Jerewan, einer der ältesten Städte Europas, ist von dieser Geschichte nicht mehr viel zu sehen. Tatsächlich hat die Stadtverwaltung von Jerewan, in der Sowjetunion noch als „die leuchtende Stadt“ beliebt, in den Jahren seit dem Zusammenbruch des Sozialismus das Stadtbild gründlich zerstört. Das, was noch übrig ist, muss man suchen. Ani Matevosyan zur Geschichte Jerewans, und was davon noch übrig ist. Weiterlesen

Rezension: Dasa Drndic „Sonnenschein“

Schriftstellerin Dasa Drndic

Dasa Drndic, 1946 geboren, gilt in ihrer Heimat Kroatien als eine der wichtigsten Schriftstellerinnen der Gegenwart. Hierzulande ist sie noch völlig unbekannt. Mit ihrem bereits in 12 Sprachen und nun auch ins Deutsche übersetzten Roman „Sonnenschein“ könnte sich das jetzt ändern. Drndic, stammt aus Istrien. Einem Landstrich in dem es für viele Menschen normal ist, mehrsprachig zu sein, italienisch, slowenisch und kroatisch zu sprechen. Und so lässt die Autorin ihre Geschichte denn auch in Gorizia spielen, einer gemischtsprachigen Stadt, gelegen am der italienisch-slowenischen Grenze nahe Triest. Es ist ein Roman über die seit Suche einer Mutter nach ihrem Sohn. Weiterlesen

Kunst-Bewegung ZERO – Alles zurück auf Null

Installation Günter Uecker

ZERO stand für die Stunde Null in der Nachkriegskunst. Mit der Bewegung wurden Ausstellungen zu fulminanten Happenings. Ihre Künstler huldigten der puren Farbe, dem puren Licht und der puren Bewegung – und sie wurde dennoch für Jahrzehnte vergessen. Eine Berliner Ausstellung würdigt Avantgardebewegung ZERO und zeigt, wie sie Kunst und vom historischen Ballast befreite. Von Maximilian Grosser. Weiterlesen

„Wir sind das Volk? Ihr seid gar nichts“ – Jennifer Gegenläufer und ihr kraftvoller Rap

Jennifer Gegenläufers drastische Lyrik erinnert an „Howl“ –  das Geheul, mit dem Allan Ginsberg 1955 dem Establishment seine Wut entgegenschleuderte. Heute gilt Ginsberg als herausragender Vertreter der Beat Generation. Jennifer Gegenläufer ist heute das Gesicht der jugendlichen Protestbewegung in Deutschland. Mit ihren wütenden Rap-Balladen verleiht sie der Frustration der Jugend Gehör. Ein Porträt von Jutta Schwengsbier. Weiterlesen

Wider die Lüge – Gedanken zum Tagebuch der Polina Scherebzowa

Cover Polinas TagebuchIn der deutschen Debatte über die Krise in der Ukraine wütete lange vor allem eines – das Vergessen. Schon im Wort „Krise“ macht das Vergessen es sich gemütlich wie in einem bequemen Sessel. Der politische Mainstream wollte lange nicht wahrhaben, dass diese „Krise“ ein „Krieg“ war. Dieses Nicht-Wahrhaben-Wollen machte es möglich, dass die Lüge sich aus dem bequemen Sessel erheben und als Infektionsherd in Filzpantoffeln durchs Land latschen konnte. Sie schaute in Abgeordneten-Büros und an Stammtischen vorbei, bei Zeitungen und Fernsehsendern. Weiterlesen