Auf den Spuren von Franz Fühmann

Vor 30 Jahren starb mit Franz Fühmann einer der streitbarsten DDR-Autoren. Kaum ein deutscher Autor hat sich derart radikal mit seiner Nazi-Vergangenheit auseinandergesetzt. Kaum ein DDR-Geborener, der nicht mit einem Fühmann-Märchen aufgewachsen ist.Fühmann, als junger Kriegsgefangener im sibirischen Gulag vom Sozialismus „überzeugt“ in die Heimat zurückgekehrt, fällt dort schon bald vom „neuen Glauben“ ab. 1965 wendet sich der Heinrich-Mann-Preisträger gegen den kulturpolitischen Kahlschlag durch die Kommunisten. Sein Briefwechsel mit Christa Wolf, erschienen im Band „Monsieur – wir finden uns wieder“, ist ein erschütterndes Dokument seiner wachsenden Verzweiflung am sozialistischen Experiment. Weiterlesen

Brigitte Reimann in Hoyerswerda

Auf den Spuren von “Franziska Linkerhand” in der einst modernsten Stadt der Welt

Auf dem Spuren Brigitte Reimanns

 

Brigitte Reimann, gehörte zu den wichtigsten deutschen Schriftstellerinnen ihrer Zeit. 1974, also vor genau 40 Jahren erschien ihr Roman „Franziska Linkerhand“, der bis heute zu einem der bedeutenden Werke der DDR-Literatur zählt. In ihm erzählt Brigitte Reimann über den Enthusiasmus, mit denen zigtausende Menschen in den 60er Jahren darangingen, ein neues Land aufzubauen. „Franziska Linkerhand“ ist die Geschichte einer jungen Architektin, die davon träumt, eine neue, menschenwürdige Stadt aufzubauen, am Ende aber erleben muss, wie das sozialistische Ideal an sich selbst scheitert. Weiterlesen

Elias Canetti und seine Geburtsstadt Russe

Das bulgarische Russe heute

Als vor 20 Jahren der Literaturnobelpeisträger Elias Canetti in Zürch verstarb, hinterließ er ein umfangreiches Werk. Obwohl er über 32 Bücher schrieb, darunter das wohl berühmteste „Masse und Macht“ war es doch seine dreibändige Biografie, die den größten Erfolg bei den Lesern hatte und in der er sich als begnadeter Beobachter, feinsinniger, zuweilen aber auch als etwas eitler Erzähler zeigte. Gleich im ersten Band mit dem Titel „Die gerettete Zunge“ stellte er ein kleines Städtchen in die Weltliteratur, von dem ohne ihn vielleicht bis heute niemand Notiz nehmen würde – seine Geburtstadt Rustschuk, die heutige bulgarische Grenzstadt Russe. 1891 hatte es den jüdisch-sephardischen Großvater Canettis aus dem damaligen Odrin, dem heutigen Edirne nach Rustschuk verschlagen, nach dem die Juden von den Türken dort zu Unrecht der Entführung eines behinderten türkischen Jungen bezichtigt wurden. Rustschuk war mit seinen damals 20 000 Einwohnern, die größte Stadt Bulgariens. Heute hat sie 150 000 Einwohner. Wie diese Stadt mit der Erinnerung an ihren bedeutendsten Sohn umgeht, das wollte Mirko Schwanitz wissen und hat sich aufgemacht nach Russe…. Weiterlesen

Bad Saarow: Kuren am Märkischen Meer

Baden wo die Titanic zum zweiten Mal sank

Blick vom Kurpark auf den Scharmützelsee

Baden hinter dem Eisernen Vorhang – das war 40 Jahre lang eine ganz eigene Geschichte. Vor allem und gerade im Osten Deutschlands. Orte, die noch in der Zwischenkriegszeit auch international durchaus klangvolle Namen als Bade- und Kurorte hatten, verschwanden aus dem europäischen Gedächtnis. Ganz anders das kleine, vor den Toren Berlins gelegene Bad Saarow. Seine Geschichte als Kur- und Badeort ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts fast ungebrochen. Von Mirko Schwanitz Weiterlesen

Ukraine: Journalisten in den Separatistengebieten unter Druck

Unbeeindruckt von den Präsidentschaftswahlen machen die Separatisten in der Ukraine nach wie vor ihr eigenes Ding. Um ihre Macht zu erhalten setzen sie auf Repressionen und verbreiten zunehmend Angst unter der Zivilbevölkerung. Der dämmert allmählich, wem sie da vertraut hatten. Doch niemand wagt den Mund aufzumachen und zu protestieren. Wer die Waffen hat, hat die Macht. Das spüren auch die Journalisten, die in den Gebieten der Separatisten versuchen, ihren Job zu machen – vor allem die, vorurteilsfrei und neutral versuchen zu berichten. Nicht nur die Fälle von Zensur nehmen zu, auch Kidnapping und Folter von Journalisten sind Alltag in den von Separatisten besetzten Gebieten. Ein Bericht von Mirko Schwanitz und Ivan Gayvanovitsch. Weiterlesen

Georgien: Kulturschaffende und der Tod von Eduard Schewardnadse

Am 13. Juli wurde Eduard Schewardnadse in Georgien im Hof seiner Tifliser Residenz beigesetzt. Während die Welt den freundlich wirkenden, weißhaarigen Mann als Helden verehrt, weil er gemeinsam mit Michail Gorbatschow den Umbruch in Osteuropa möglich machte, wird er in seiner Heimat vor allem als eines angesehen – als tragische Figur. Vor allem Georgiens Dichter und Künstler wissen noch nicht so recht, wie sie die Ära Schewardnadse beurteilen sollen. Edita Badasyan und Mirko Schwanitz haben sich mit einigen in Tiflis, der Hauptstadt Georgiens, getroffen und wollten wissen, welche Erinnerungen sie mit Eduard Schewardnadse verbinden. Weiterlesen

Litauen: Vilnius glitzert

Wie die größte Baltenrepublik sich auf die Ratspräsidentschaft vorbereitet

Litauen ist ein modernes Land

Litauen ist ein modernes Land

Wenn Litauen am 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft turnusgemäß übernimmt, hat das Land mit dem EU-Neuling Kroatien eins gemeinsam. Beide Länder befanden sich bis vor etwas mehr als 20 Jahren hinter dem Eisernen Vorhang. Litauen war sogar eine Sowjetrepublik, die erst 1991 ihre Unabhängigkeit von Moskau erklärte und mit dem EU-Beitritt vor neun Jahren endgültig den nach Europa fand. Die ersten Jahre als EU-Mitglied galt die Baltenrepublik als das Armenhaus der Staatengemeinschaft und die Finanzkrise 2009 setzte dem kleinen Land besonders stark zu. Radikale Reformen brachten die junge Demokratie wieder auf Wachstumskurs. Heute blicken die Litauen optimistisch in die Zukunft und auf das kommende halbe Jahr. Markus Nowak berichtet aus Vilnius. Weiterlesen

Georgien: Hoffnung und Sorge

Georgien unterzeichnet EU-Assoziierungsabkommen

Flaggen am georgischen Parlament

Flaggen am georgischen Parlament

Die Spannungen in der Ukraine wurden vergangenen Herbst erst ausgelöst, als der Moskau-freundliche Präsident Viktor Janukowitsch das bevorstehende EU-Assoziierungsabkommen in Vilnius platzen ließ. Hunderttausende Menschen gingen auf den Majdan, um Janukowitsch abzusetzen und forderten Neuwahlen. Inzwischen erklärte sagte sich die Krim von der Ukraine los und zurzeit tobt im Osten des Landes beinah schon ein Bürgerkrieg. Einen anderen Weg ging auf dem Gipfel im Herbst 2013 Georgien, das neben Moldau als einziges Land der „Östlichen Partnerschaft“ das Assoziierungsabkommen ratifizierte. Am heutigen Freitag kommt es beim EU-Gipfel in Brüssel nun zur Unterzeichnung. Wie eilig es den Georgiern damit ist, zeigt die Tatsache, dass der Unterzeichnungstermin gleich zweimal vorgezogen wurde. Von der Hoffnung aber auch den Sorgen über den Assoziierungsvertrag berichtet Markus Nowak aus Tiflis. Weiterlesen

Riga: Kulturhauptstadt und Nazikollaboration

Wie die lettische Hauptstadt ihr geschichtliches Erbe aufarbeitet

Riga ist in diesem Jahr neben Umea in Schweden die Europäische Kulturhauptstadt. „Force Majeure“ lautet das Motto des Jahres, zu Deutsch: höhere Gewalt. 200 Veranstaltungen soll es geben, darunter Konzerte, Opern- und Singfestivals oder zeitgenössische Kunstausstellungen. Doch auch die Vergangenheit spielt im Kulturhauptstadtjahr eine Rolle – und zwar nicht nur im Rahmen einer großangelegten Ausstellung über den 100. Jahrestag des Ersten Weltkriegs. Das Kulturhauptstadtjahr will zur geschichtlichen Auseinandersetzung auch über die dunklen Flecken der lettischen Geschichte anregen, hat Markus Nowak herausgefunden. Weiterlesen

Geschmack der Räuberbarone

Eine Ausstellung im Kiewer Kunstmuseum zeigt Janukowitschs „Kunstschätze“

 

Die Kämpfe auf dem Maidan scheinen schon in Vergessenheit zu geraten. Nur ihre Folgen sind heute noch zu besichtigen. Dazu gehören aber nicht nur die Bestrebungen separatistischer Kräfte, Teile im Osten der Ukraine abzuspalten. Auch in Kunst und Kultur hinterließen die Kämpfe Spuren. So war z.B. der neo-klassizistische Prunkbau des Nationalen Kunstmuseum seit Jahresbeginn geschlossen, weil er sich damals, auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen in Kiew, sozusagen im Rücken von Janukowytschs Spezialeinheiten befand. Einem Gebiet, dass Sperrgebiet war. Jetzt hat das Museum seine Pforten geöffnet und macht sofort durch eine Sonderausstellung auf sich aufmerksam. Es hat alle Objekte aus Viktor Janukowytschs Residenz zusammengetragen und den bekanntesten postmodernen Maler der Ukraine gebeten, aus ihnen eine Ausstellung zu kreieren. Entstanden ist ein Exposition, die die Betrachter vor Entsetzen staunen lässt und Diskussionen provoziert. Mirko Schwanitz und Ivan Gayvanovich berichten. Weiterlesen