Krim: Gestohlenes Parlament

Die Krimtataren fühlen sich von der Welt vergessen

Mustafa Dshemilev wird die Rückkerh in seiner Heimat-verweigert

Mustafa Dshemilev wird die Rückkerh in seiner Heimat-verweigert

Während die Kämpfe in der Ostukraine trotz des in Minsk vereinbarten Waffenstillstands kein Ende nehmen wollen, gelangen Informationen von der annektierten Krim nur spärlich zu uns. Doch offenbar spitzt sich dort die Situation für die Krimtataren, immer weiter zu. Die 260000 Muslime, stellen auf der Halbinsel die größte nationale Minderheit. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Krimtataren von Stalin als fünfte Kolonne der Deutschen Wehrmacht verunglimpft und in die Steppen Kasachstans deportiert: Mit Beginn der Neunziger Jahre kehrten die Überlebenden der Deportation und deren Nachfahren zurück in ihre alte Heimat. Ihr Land, ihre Häuser aber waren da längst von Russen in Besitz genommen worden. Die pro-russischen Behörden auf der damals noch autonomen Krim taten alles, um den Krimtataren die Rückkehr so schwer wie möglich zu machen. Die neuen Machthaber betrachten die Krimtataren nun mehr oder weniger offen als Feinde.

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Schorfheide: Biologische Vielfalt dank Sperrgebiet

Seeblick

In Ostdeutschland schützte die Politikelite über Jahrzehnte Jagdgebiete für das eigene Vergnügen, die Natur wurde nicht zerstört. Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ist heute eines der artenreichsten in Europa. Die Region Schorfheide-Chorin wurde 1990, kurz nach der politischen Wende in Ostdeutschland, unter Schutz gestellt und ist seit 2011 UNESCO-Weltnaturerbe. Seit dem Mittelalter hatte das Zisterzienser-Kloster Chorin die Ländereien der Gegend bewirtschaftet. Später entdeckten dann die Mächtigen des Staates das Waldgebiet für sich. Die einzigartige Landschaft wurde zum Jagdrevier, welche nur der jeweiligen Politprominenz zur Verfügung stand. Dieser Geschichte ist es zu verdanken, dass die einzigartige Vegetation nicht zerstört wurde. Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin gilt heute als eines der artenreichsten Gebiete Europas. Von Jutta Schwengsbier. Weiterlesen

Lizzie Doron und ihr Buch „Who the fuck is Kafka“

Doron Who the fuck is Kafka?Vor wenigen Tagen erschien der neue Roman der israelischen Autorin Lizzie Doron. Lizzie Doron begann erst spät, nämlich im Alter von 40 Jahren mit dem Schreiben. Alle Bücher, die sie bisher schrieb wurden in ihrer Heimat Israel Bestseller und sind inzwischen in zahlreiche Sprachen übersetzt. Als sie einmal gefragt wurde, wie viele Bücher sie schreiben wolle, antwortete sie:  Sechs – für jede Million ermordeter Juden eines. Nun ist dieser sechste Roman erschienen. Und zum ersten Mal erscheint ein Roman von Lizzie Doron nicht zuerst in Israel, sondern in deutscher Übersetzung. Nachdem Lizzie Doron in ihren früheren Romanen die Traumata der Kinder von Holocaustopfern beschrieb und wie diese Traumata die israelische Gesellschaft bis heute prägen, geht es in „Who the fuck is Kafka?“ nun um den israelisch-palästinensischen Konflikt selbst. Mirko Schwanitz hat das Buch gelesen und die Autorin in ihrer Heimatstadt  Tel Aviv getroffen. Weiterlesen

Montenegro: Poetiker der Apokalypse

Der montenegrinische Autor Nikolaidis und die Pressefreiheit

Andrej Nikolaidis

Die Journalisten in Montenegro reiben sich zurzeit verdutzt die Augen angesichts der ungeheuren Solidaritätswelle, mit der sich die französische Öffentlichkeit schützend vor die Pressefreiheit stellt. Die Beileidsadresse, die Montenegros Premier Milo Djukanovic den Franzosen schickte empfinden sie wie eine Verhöhnung der Opfer. Denn in seinem eigenen Land bezeichnet er Journalisten schon mal als Agenten oder Medienmafia. In Djukanovics kleinen Adriastaat gehören Morde, Prügelattacken, Brandanschläge gegen Redaktionsgebäude zum Lebensalltag von Journalisten – ohne dass dies bisher in Europa auf ähnlich große Empörung gestoßen wäre, wie jetzt die Morde in Frankreich. Weiterlesen

Russland: Bedrohtes Erbe der russischen Avantgarde

Erstmals zeigt eine Berliner Ausstellung den Geist der WChUTEMAS

WChUTEMAS in Berlin

Die Avantgardeschmiede WChUTEMAS gilt als russisches Äquivalent zum deutschen Bauhaus. In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts unterrichteten an der Moskauer Kunsthochschule Größen wie Wassily Kandinsky oder der Architekt und Fotograf Alexander Rodtschenko. Nun gibt der Berliner Walter-Gropius-Bau erstmals Einblick in den fortschrittlichen Geist der Kunsthochschule. Seit heute präsentiert das Berliner Museum Architekturentwürfe, Zeichnungen und Modelle der ersten Jahre des ‚Labors der Moderne’. In den Werken aus dem Zentrum der russischen Avantgarde wird nun erstmals auch deren vollkommen neue Lehrmethode einer Kunsthochschule erlebbar. Ein Beitrag von Maximilian Grosser.

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Künstler und der Krieg in der Ukraine

Im Osten der Ukraine herrscht Krieg – so berichten es ukrainische Kulturschaffende. Nicht länger wollen ukrainische Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle das verschweigen und gaben in der Berliner Akademie der Künste erstmals Einblicke in die Kultur- und Kunstarbeiten in Zeiten des Kriegs. Auf den vergangen Tagen trafen sie sich auf dem Kongress „Werte und Wandel“ und diskutierten über ihre Rolle während des Umbruchs in der Ukraine. Kann Kunst Motor für den gesellschaftlichen Wandel sein? Und: wie kann sie helfen, die Werte des Euromaidan zu verteidigen? Das sind Fragen, auf die ukrainische Künstler, Theatermacher, Dichter und Schriftsteller eine Antwort suchten. Ein Beitrag von Maximilian Grosser. Weiterlesen

Porträt: Der Multiinstrumentalist Roger Stein

Roger Stein Portrait-zur freien Verwendung

Gleich vier Tage vom 13. – 16. Dezember wird er im Stadtwaldhaus in Krefeld zu erleben sein – der Sprachvirtuose und Multiinstrumentalist Rogér Stein. Seine an der Klassik geschulten Kompositionen und Lieder, so schrieb „Der Spiegel“ einmal, gehörten zum intelligentesten, was derzeit auf deutschen Bühnen geboten wird. Vom Preis der deutschen Schallplattenkritik bis zum deutsch-französischen Chanson-Preis, Roger Stein hat so ziemlich alles abgeräumt, was es an Preisen in der deutschsprachigen Liedermacherszene zu gewinnen gibt. Weiterlesen

Zukunfts-Monopoly in der Republik Moldau

Nicoleta Esinencu und ihr bitterer Blick auf die Revolutionen vor 25 Jahren
Tatiana Miron in American Dream

Die rumänische Theaterregisseurin Nicoleta Esinencu bricht mit ihren Theaterstücken immer wieder Tabus. Dafür musste sie allerdings ihr eigenes unabhängiges Theater in Chisinau, der Hauptstadt der Republik Moldova, beziehen. Dennoch geben sich in ihrer Untergrundbühne „Spalatorie“ (Wäscherei) internationale Theaterkuratoren die Klinke in die Hand, wenn sie ein neues Stück inszeniert. Auch weil Nicoleta Esinencu weiß mit ihren Stücken etwa über die Mittäterschaft Moldovas am Holocaust oder über die auch dort tief verwurzelte Homophobie zu immer wieder schocken. Nun war ihre neues Stück „American Dream“ als Teil einer Premierenreihe erstmals in Berlin zu sehen. Esinencus Inszenierung blickt dabei zurück auf 25 Jahre Mauerfall und seine Auswirkung in Osteuropa. Maximilian Grosser hat das Stück gesehen. Weiterlesen

Georgien – Ein Versuchslabor für Frauenmörder?

Warum Georgiens Frauen um ihr Leben fürchten

Der 25. November wird international als der Tag begangen, an dem auf die weltweit zunehmende Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht werden soll. Vor diesem Hintergrund wollen wir den Blick in ein Land werfen, das in den Medien oft nur am Rande aufscheint – Georgien. Dort erschüttert in diesem Jahr eine grausame Mordserie an Frauen die Öffentlichkeit und führt nun zu anhaltenden Protesten über die Untätigkeit der Behörden. Sopho Zurabiani, eine junge 27 Jahre alte Justizbeamtin wurde am hellichten Tag an einer Bushaltestelle erschossen, eine Universitätsdozentin vor den Augen ihrer Studenten umgebracht. Es scheint, als hätten die Mörder überhaupt keine Angst vor Sanktionen. Wie konnte es dazu kommen? Edita Badasyan ist dieser Frage nachgegangen. Weiterlesen