Balkanroute: An der Grenze über die Grenze

IC-MN-Chefredakteur Mirko Schwanitz koordinierte für den WDR eine vielbeachtete Radioessayreihe mit Schriftstellern aus Ländern entlang der Balkanroute

Autorenporträts

vlnr: Draga Potocnijak (©Žiga Koritnik); Miljenko Jergovic (©Miodrag Trajković); Lena Divani (©privat); Sreten Ugricic (©Volker Dittrich); Vlada Urosevic (©Susanne Schleyer)

 

„Flüchtlinge“ wurde 2015 zum Wort des Jahres gekürt. Wir erinnern uns an das mediale Bombardement jener Monate, in denen es kein anderes Thema mehr zu geben schien. Das im Süd-Sudan mehr als eine Million Menschen vom Hungertod bedroht sind, das in der Ukraine 1,2 Millionen Menschen auf der Suche nach einem neuen Zuhause sind, das 12 Millionen Roma in Europa noch immer unter erbärmlichen und entwürdigen Bedingungen leben müssen, dass auf der Krim über 250 000 Tataren zunehmenden Repressionen der russischen Besatzungsmacht ausgesetzt sind, das die Arbeitsmigration in Europa mehr als zwei Millionen Kinder zwingt, ohne ihre Eltern aufzuwachsen – all das wurde und wird überlagert von dem einen Thema: „Flüchtlinge“. Weiterlesen

György Dragoman und die Bedeutung der Mythen in Osteuropa

György Dragoman Der ScheiterhaufenBereits mit seinem ersten Roman „Der weiße König“ erregte der ungarische Autor György Dragoman Aufmerksamkeit. In ihm berichtete er über einen kleinen Jungen, der versucht, in der bizarren Welt des rumänischen Diktators Ceausescu zu überleben. Auch in seinem neuen, soeben erschienenen Roman „Der Scheiterhaufen“ beschäftigt sich Dragoman mit dem Ende der Diktatur in Rumänien. Und doch geht es dem Autor, der mit seinen Eltern 1988 im Alter von 15 Jahren Rumänien verließ und seitdem in Ungarn lebt, nicht vordergründig um Rumänien. Sein Roman beschäftigt sich vor allem mit der Frage, wie wir alle Geschichte schreiben und was uns dabei beeinflusst. Entstanden ist dabei eine unter die Haut gehende Geschichte und ein magischer Moment der osteuropäischen Literatur. Mirko Schwanitz, hat den Autor György Dragoman getroffen. Weiterlesen

Brandenburg: Eine Herbstreise zu Märkischen Machern

Volker Müller-Hagenbeck

Erfinder der Annenwalder Schiffchen: Volker Müller-Hagenbeck

Im Juni reiste unser Autor Mirko Schwanitz schon einmal zu Brandenburger Unternehmern, alle mit recht ausgefallenen Geschäftsideen. Die einen entwickelten ein Weinschwein, ein anderer baute in Frankfurt Oder U-Boote, züchteten Blutegel oder destillierten trinkbares Flugbenzin. Folgen Sie heute Mirko Schwanitz doch auf seiner zweiten Tour. Wir können Ihnen versprechen, dass er wieder interessante Menschen getroffen hat, einen Mann der Schiffe für Häfen aus Sand baut, einen Mann der im 21. Jahrhundert die Goldenen Zwanziger Jahre konserviert oder einen, der den ersten vollelektronischen Schlüsselbund erfand. Sie werden einen Kerzenmacher kennenlernen, den sie nicht kennen, aber dessen Kerzen jeder von Ihnen, schon einmal gesehen hat. Und dranbleiben sollten sie in jedem Fall, wenn Sie wissen wollen, wie man Mondlandschaften in Naturschutzgebiete verwandelt…. Weiterlesen

TransStar – Übersetzer in Zeiten zunehmender Krisen

Der Frieden in der Welt scheint zunehmend bedroht. Die Nachrichten berichten über immer neue Kriege, Stellvertreterkriege und Krisen, über Flüchtlingsströme und eine zunehmende Armut. In vielen Ländern Europas nehmen die gesellschaftlichen Spannungen zu, zu beobachten derzeit gerade, wenn es um den Umgang mit den syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen geht. Seit nunmehr fast zehn Jahren gibt es ein von der Robert-Bosch-Stiftung, der Kulturstiftung des Bundes in Deutschland und der EU gefördertes Projekt – das sich TransStar Europa nennt. In ihm werden junge literarische  Übersetzer aus acht europäischen Ländern, darunter auch  die Schweiz, Österreich und Deutschlands auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet. Weiterlesen

Georgi Gospodinov: Geschichten erzählen in Zeiten der Krise

Der bulgarische Schriftsteller Georgi Gospodinov ist einer der wichtigsten Schriftsteller seines Landes. Immer wieder nimmt er nicht nur in Bulgarien Stellung zu aktuellen politischen Ereignissen. Gospodinov gehört auch zu jenen Schriftstellern, die vehement die These vertreten, dass Literatur gerade in jenen Zeiten eine wichtige Funktion habe, in der die Stimmen der Vernunft kaum zu hören sind. Und so irritiert ihn angesichts der aktuellen Ereignisse, wie viele Schriftsteller in Europa angesichts des Umgangs mit den syrischen Flüchtlingen noch schweigen würden. Weiterlesen

Georgien: Die „unbefleckte Jungfrau“ – über den Trend hymenoplastischer Operationen

Die georgische Regierung hält sich zugute, dass Präsident Mikheil Saakashvili nach zwei Amtsperioden durch demokratische Wahlen abgelöst wurde. Die Medien können frei berichten und auch Nichtregierungsorganisationen arbeiten ohne Probleme. In vielen Bereichen halte Georgien also bereits EU Standards ein und wirbt deshalb dafür, eine Beitrittsperspektive zu erhalten. Konservative Kräfte und insbesondere die georgisch orthodoxe Kirche vertreten allerdings noch immer ein Frauenbild, dass mit europäischen Wertvorstellungen kaum vereinbar ist. So gilt nicht nur in versteckten Seitentälern die unbefleckte Jungfräulichkeit vor der Ehe als ein muss, – auch wenn sich wenige daran halten. Weiterlesen

Georgien: „adibas“ – der neue Roman des georgischen Autors Zaza Burchuladze

Zaza Burchuladze

Kein Buch der letzten Jahre, hätte ihn mit solcher Begeisterung erfüllt, schreibt  der bekannte ukrainische Autor Jury Andruchowytsch in seinem Vorwort zu „adibas“ – einem Roman des georgischen Schriftstellers Autors Zaza Burchuladze. Andruchowytschs russischer Kollege Vladimir Sorokin bezeichnete das Buch als eine hochkomische und zugleich tieftraurige Geschichte, die ihn sehr bewegt habe. Zaza Burchuladze hat in Tiflis Malerei studiert bevor er sich dem Schreiben widmete. Mit seinen bissigen, ja geradezu wütenden Gesellschaftsporträts und seinen provokativen Auftritten bei Lesungen und in Fernsehshows hat er sich in seiner Heimat Georgien viele Feinde gemacht. Weiterlesen

Kroatien: Solidarität ist eine Sanduhr – Kroatische Intellektuelle  zur Flüchtlingskrise

An der Flüchtlingskrise könnte Europa scheitern. Davor warnen inzwischen nicht nur  Staats- und Regierungschefs oder Politiker fast jeder Couleur. Auch Intellektuelle melden sich zu Wort. Anders als die politische Klasse warnen sie nicht vor dem Flüchtlingsansturm – sondern vom Umgang der von Europas politischen Führungen mit der Krise. Der kroatische Autor Miljenko Jergovic geißelt in Kommentaren für Zeitungen wie „Jutarni List“ die „verlogene Politik“ der kroatischen Regierung. Offen prangert er Politiker für ihren „faschistoiden Sprachgebrauch gegenüber den Flüchtlingen“ an. Der bekannte Journalist Ladislav Tomicic bekennt: „Das ist keine Krise. Das ist eine permanente Lage.“ Und auch die Schriftstellerin Ivana Bodrozic meldet sich in ihrem Land immer wieder zu Wort. Mirko Schwanitz berichtet. Weiterlesen

LandZukunft: Ein Modellprojekt für ländliche Regionalentwicklung

Strandurlaub Dithmarschen

Vor allem ländlich geprägte Regionen müssen in den kommenden Jahren große soziale Veränderungen meistern. Die Jungen ziehen weg. Viele Branchen leiden in der Folge unter Fachkräftemangel. Zurück bleiben die Älteren. Das Bundeslandwirtschaftsministerium startete deshalb ein Modellprojekt mit dem Titel „Landzukunft“ zur regionalen ländlichen Entwicklung. Bewerben konnten sich 17 ländliche Randgebiete, die vom Thünen Institut vorab ausgewählt wurden. Neben Dithmarschen wurden dabei Birkenfeld, Holzminden und die Uckermark als Modellregionen gefördert. Das Ziel: Auch wenn die ausgewählten Regionen oft die gleichen Probleme haben, sollten sie doch regional spezifische Lösungen finden. Weiterlesen

Belarus: Literaturnobelpreise Swetlana Alexijewitsch

Swetlana Alexijewitsch wurde 1948 kurz nach dem zweiten Weltkrieg im ukrainischen Iwano-Frankiwsk geboren. Zunächst arbeitete sie als Reporterin für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. Dann entwickelt Alexijewitsch ausgehend von zahlreichen Interviews schließlich eine eigene literarischen Gattung: den halbdokumentarischen Roman. Ob Tschernobyl, der Afghanistan-Krieg und der Zusammenbruch der Sowjetunion: Die bei ihren Reportagen eingefangenen Stimmen verdichtet die Schriftstellerin in fiktionalen Geschichten zu einem Sittengemälde ihrer Zeit. Nun erhält die Weißrussin den Literaturnobelpreis. Jutta Schwengsbier stellt Swetlana Alexijewitsch und ihr Werk vor. Weiterlesen