Serhij Zhadan erhält “Brücke Berlin” Literaturpreis

Heute erhält der ukrainische Lyriker, Musiker und Romancier, Serhij Zhadan in Berlin den angesehenen Brücke-Berlin-Literaturpreis für sein Buch „Die Erfindung des Jazz im Donbass“. Die Auszeichnung soll den Blick auf die gegenwärtige Literatur der Länder Mittel- und Osteuropas lenken, deren Stimmen den Prozess der europäischen Einigung mitgestalten. Gleichzeitig würdigt der mit 20 000 Euro dotierte Peis die Arbeit der literarischen Übersetzer, Sabine Stöhr und Juri Durkot. „Die Erfindung des Jazz im Donbass“ ist ein ebenso fulminantes wie poetisches road movie, in dem uns Zhadan die Geschichte des Kiewer Werbeunternehmers Hermann erzählt, der sich spontan entscheidet, seinen Bürojob zu kündigen, um die marode Tankstelle seines verschwundenen Bruders vor dem Zugriff korrupter Oligarchen zu retten. Weiterlesen

Israel: Seine Autoren und der Gaza-Krieg

Yoshua Sobol

Yoshua Sobol

Seit dem 26. August herrscht zwischen der Hamas und Israel ein fragiler Waffenstillstand. Doch die Spannungen nehmen schon wieder zu. Erst vor wenigen Tagen wurde erneut eine Mörsergranate von Gaza aus auf Israel gefeuert, Palästinenserpräsident Abbas warf Israel vor wenigen Tagen auf der UN-Vollversammlung Völkermord. Israels Regierungschef Netanjahu goss ebenfalls Öl ins Feuer und behauptete, Hamas und IS würden die gleichen Ziele verfolgen. Mit Unruhe beobachten zahlreiche israelische Kulturschaffende wie die israelische Gesellschaft immer mehr nach rechts rückt und eine pragmatische Politik der Aussöhnung immer unwahrscheinlicher wird. Weiterlesen

Jennifer Clement über ihr Buch “Gebete für die Vermissten”

 Jennifer Clement

 

Die amerikanisch-mexikanische Schriftstellerin Jennifer Clement hat mit ihrem jüngsten Roman „Gebete für die Vermissten“ einen Bestseller geschrieben, der schon kurz nach Erscheinen in 22 Ländern veröffentlicht wurde. Am meisten überrascht von diesem schnellen Erfolg war sie selbst. Eigentlich dachte Clement, die Geschichten von Frauen und Mädchen aus dem weit abgelegenen mexikanischen Hinterland würden nur ein lokales Publikum interessieren. Doch die als schwarze Komödie geschriebene Geschichte brachte ein Thema in die internationalen Feuilletons, das sonst meist nur eine Randnotiz wert ist. Die alltägliche Gewalt gegen Frauen, die die ganze Gesellschaft durchzieht. Jutta Schwengsbier hat mit Jennifer Clement über ihren Roman und ihr Leben gesprochen. Weiterlesen

Kein Krieg, keine Katastrophe – vom Wandel in Lettlands Fischerdörfern

Fischer in Bercziems beim Reusensetzen

 

Als Lettland den Beitrittsvertrag zur EU unterschrieb, ahnten die lettischen Fischer noch nicht, was der Vertrag für sie bedeuten würde. Der Vertrag sah vor, die lettische Fischfangflotte nicht zu vergrößern. Gleichzeitig wurden den Schiffsbesitzern Entschädigungen weit über dem Marktwert angeboten, wenn sie ihre Schiffe verschrotten. Viele von ihnen sahen nur das schnelle Geld und bedachten nicht die Folgen. Denn wer die Entschädigung kassierte, musste unterschreiben, mit dem Geld kein neues Fischerboot zu kaufen. Weiterlesen

Was ist los in Nagorny Karabach?

Zerstörte aserbaidschanische Stadt in der besetzten Sicherheitszone

Zerstörte aserbaidschanische Stadt in der besetzten Sicherheitszone

Als die in Aserbaidschan liegende, überwiegend von Armeniern bewohnte autonome Region Nagorny Karbabach sich 1988 in Übereinstimmung mit der Verfassung der Sowjetunion für unabhängig erklärte, antwortete man in Aserbaidschan mit Pogromen gegen die armenische Minderheit. Sie waren der Auslöser für vier Jahre dauernden blutigen Krieg. Er kostete 30 000 Menschen das Leben und machte über eine Million zu Flüchtlingen. Seit 1994 herrscht Waffenstillstand, aber kein Frieden. Zudem halten die Karabach-Armenier große Teile aserbaidschanischen Territoriums als sogenannte Sicherheitszonen rund um ihre von niemandem anerkannte Republik besetzt. Weiterlesen

Mehr Kartell als Wettbewerb: Wie zeitgemäß ist der deutsche Wohlfahrtsstaat ?

Seit Jahrzehnten dominieren nur wenige Wohlfahrtsorganisationen den Markt der Sozialdienstleistungen in Deutschland. Doch obwohl das Sozialbudget der Bundesrepublik Deutschland inzwischen 770 Milliarden Euro pro Jahr übersteigt, fehlt oft das Geld, um innovative neue Sozialkonzepte zu finanzieren. Viele junge Start-ups im Sozialbereich wollen sich nicht mehr auf den Staat oder die Wohlfahrt verlassen, um soziale und ökologische Probleme zu lösen. Künftig sollen am Gemeinwohl orientierte Unternehmen soziale Probleme mit unternehmerischen Mitteln lösen helfen. Inzwischen ist ein harter Kampf um staatliche Fördermittel zwischen den sozialen Start-ups und den etablierten Großbürokratien der Wohlfahrt entbrannt. Sind die Wohlfahrtsverbände noch Träger sozialer Veränderungen oder bremsen sie soziale Innovationen eher aus, fragt Jutta Schwengsbier. Weiterlesen

Israel: Das Antikriegs-Puppentheater des Ariel Doron

Ariel Doron

Ariel Doron

Israel steht wegen des letzten Gaza-Krieges international in der Kritik. Die Meinung der Öffentlichkeit ist gespalten, spürbar ist jedoch, dass auch die Kritik der Verbündeten immer schärfer wird. Doch nur wenig wird darüber berichtet, wie heftig die Politik der Netanjahu-Regierung im eigenen Land kritisiert wird und wie sehr sie Israel zurzeit polarisiert. Das betrifft nicht nur Gaza, sondern auch das besetzte Westjordanland. Dort haben erst vor kurzem 43 hohe Militärs einer Spezialeinheit in einem offenen Brief die Praktiken der eigenen Besatzungspolitik kritisiert. Weiterlesen

Hohe Operationszahlen – Fehlentwicklung im Gesundheitssystem

Dr. Med Jan-Christoph Loh

Dr. Med Jan-Christoph Loh

 

In Deutschland wird sehr viel häufiger zum Skalpell gegriffen als in anderen europäischen Staaten. Das ist eines der Ergebnisse von zwei Studien zu vergleichenden Operationszahlen, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) für acht europäische Staaten und die Bertelsmann-Stiftung ergänzend zu Deutschland jüngst vorgestellt haben. Medizinische Gründe, warum in Deutschland so viel öfter operiert wird als anderswo, gibt es nicht. Gesünder werden die Patienten durch hohe Operationszahlen auch nicht. Warum also wird so oft operiert? Und wie könnten Operationen wieder zu dem werden, was sie sein sollten: Medizinisch notwendige Eingriffe zur Förderung der Patientengesundheit? Weiterlesen

Auf den Spuren von Franz Fühmann

Vor 30 Jahren starb mit Franz Fühmann einer der streitbarsten DDR-Autoren. Kaum ein deutscher Autor hat sich derart radikal mit seiner Nazi-Vergangenheit auseinandergesetzt. Kaum ein DDR-Geborener, der nicht mit einem Fühmann-Märchen aufgewachsen ist.Fühmann, als junger Kriegsgefangener im sibirischen Gulag vom Sozialismus „überzeugt“ in die Heimat zurückgekehrt, fällt dort schon bald vom „neuen Glauben“ ab. 1965 wendet sich der Heinrich-Mann-Preisträger gegen den kulturpolitischen Kahlschlag durch die Kommunisten. Sein Briefwechsel mit Christa Wolf, erschienen im Band „Monsieur – wir finden uns wieder“, ist ein erschütterndes Dokument seiner wachsenden Verzweiflung am sozialistischen Experiment. Weiterlesen

Brigitte Reimann in Hoyerswerda

Auf den Spuren von “Franziska Linkerhand” in der einst modernsten Stadt der Welt

Auf dem Spuren Brigitte Reimanns

 

Brigitte Reimann, gehörte zu den wichtigsten deutschen Schriftstellerinnen ihrer Zeit. 1974, also vor genau 40 Jahren erschien ihr Roman „Franziska Linkerhand“, der bis heute zu einem der bedeutenden Werke der DDR-Literatur zählt. In ihm erzählt Brigitte Reimann über den Enthusiasmus, mit denen zigtausende Menschen in den 60er Jahren darangingen, ein neues Land aufzubauen. „Franziska Linkerhand“ ist die Geschichte einer jungen Architektin, die davon träumt, eine neue, menschenwürdige Stadt aufzubauen, am Ende aber erleben muss, wie das sozialistische Ideal an sich selbst scheitert. Weiterlesen