Montenegro: Poetiker der Apokalypse

Der montenegrinische Autor Nikolaidis und die Pressefreiheit

Andrej Nikolaidis

Die Journalisten in Montenegro reiben sich zurzeit verdutzt die Augen angesichts der ungeheuren Solidaritätswelle, mit der sich die französische Öffentlichkeit schützend vor die Pressefreiheit stellt. Die Beileidsadresse, die Montenegros Premier Milo Djukanovic den Franzosen schickte empfinden sie wie eine Verhöhnung der Opfer. Denn in seinem eigenen Land bezeichnet er Journalisten schon mal als Agenten oder Medienmafia. In Djukanovics kleinen Adriastaat gehören Morde, Prügelattacken, Brandanschläge gegen Redaktionsgebäude zum Lebensalltag von Journalisten – ohne dass dies bisher in Europa auf ähnlich große Empörung gestoßen wäre, wie jetzt die Morde in Frankreich. Weiterlesen

Russland: Bedrohtes Erbe der russischen Avantgarde

Erstmals zeigt eine Berliner Ausstellung den Geist der WChUTEMAS

WChUTEMAS in Berlin

Die Avantgardeschmiede WChUTEMAS gilt als russisches Äquivalent zum deutschen Bauhaus. In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts unterrichteten an der Moskauer Kunsthochschule Größen wie Wassily Kandinsky oder der Architekt und Fotograf Alexander Rodtschenko. Nun gibt der Berliner Walter-Gropius-Bau erstmals Einblick in den fortschrittlichen Geist der Kunsthochschule. Seit heute präsentiert das Berliner Museum Architekturentwürfe, Zeichnungen und Modelle der ersten Jahre des ‚Labors der Moderne’. In den Werken aus dem Zentrum der russischen Avantgarde wird nun erstmals auch deren vollkommen neue Lehrmethode einer Kunsthochschule erlebbar. Ein Beitrag von Maximilian Grosser.

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Künstler und der Krieg in der Ukraine

Im Osten der Ukraine herrscht Krieg – so berichten es ukrainische Kulturschaffende. Nicht länger wollen ukrainische Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle das verschweigen und gaben in der Berliner Akademie der Künste erstmals Einblicke in die Kultur- und Kunstarbeiten in Zeiten des Kriegs. Auf den vergangen Tagen trafen sie sich auf dem Kongress „Werte und Wandel“ und diskutierten über ihre Rolle während des Umbruchs in der Ukraine. Kann Kunst Motor für den gesellschaftlichen Wandel sein? Und: wie kann sie helfen, die Werte des Euromaidan zu verteidigen? Das sind Fragen, auf die ukrainische Künstler, Theatermacher, Dichter und Schriftsteller eine Antwort suchten. Ein Beitrag von Maximilian Grosser. Weiterlesen

Zukunfts-Monopoly in der Republik Moldau

Nicoleta Esinencu und ihr bitterer Blick auf die Revolutionen vor 25 Jahren
Tatiana Miron in American Dream

Die rumänische Theaterregisseurin Nicoleta Esinencu bricht mit ihren Theaterstücken immer wieder Tabus. Dafür musste sie allerdings ihr eigenes unabhängiges Theater in Chisinau, der Hauptstadt der Republik Moldova, beziehen. Dennoch geben sich in ihrer Untergrundbühne „Spalatorie“ (Wäscherei) internationale Theaterkuratoren die Klinke in die Hand, wenn sie ein neues Stück inszeniert. Auch weil Nicoleta Esinencu weiß mit ihren Stücken etwa über die Mittäterschaft Moldovas am Holocaust oder über die auch dort tief verwurzelte Homophobie zu immer wieder schocken. Nun war ihre neues Stück „American Dream“ als Teil einer Premierenreihe erstmals in Berlin zu sehen. Esinencus Inszenierung blickt dabei zurück auf 25 Jahre Mauerfall und seine Auswirkung in Osteuropa. Maximilian Grosser hat das Stück gesehen. Weiterlesen

Georgien – Ein Versuchslabor für Frauenmörder?

Warum Georgiens Frauen um ihr Leben fürchten

Der 25. November wird international als der Tag begangen, an dem auf die weltweit zunehmende Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht werden soll. Vor diesem Hintergrund wollen wir den Blick in ein Land werfen, das in den Medien oft nur am Rande aufscheint – Georgien. Dort erschüttert in diesem Jahr eine grausame Mordserie an Frauen die Öffentlichkeit und führt nun zu anhaltenden Protesten über die Untätigkeit der Behörden. Sopho Zurabiani, eine junge 27 Jahre alte Justizbeamtin wurde am hellichten Tag an einer Bushaltestelle erschossen, eine Universitätsdozentin vor den Augen ihrer Studenten umgebracht. Es scheint, als hätten die Mörder überhaupt keine Angst vor Sanktionen. Wie konnte es dazu kommen? Edita Badasyan ist dieser Frage nachgegangen. Weiterlesen

Juden im »Tatort« und Schwarze in den Schlagzeilen

Eine internationale Konferenz erforscht Rassismus in den Medien

medien und minderheiten

Muslime in der Mittelschicht, Schwarze als Rechtsanwälte oder Juden ohne Kippa? Geschichten die auch in deutschen Medien nur sehr selten vorkommen – vorherrschend sind meist stereotype Bilder, wenn über Minderheiten berichtet wird. Roma tauchen oft nur als sogenannte Armutsflüchtlinge und Gefahr für das Sozialsystem auf. Und der Islam wird mit Fanatismus und Terrorismus gleichgesetzt. Grund dafür ist, dass Minderheiten nur einen Nachrichtenwert haben – um es einmal zugespitzt auszudrücken – wenn sie Probleme machen und negativ auffallen. Dieser Umgang mit Vorurteilen in Medien war nun auch Thema einer Konferenz in Berlin. Hier trafen sich internationale Medienforscher, um ihre Beobachtungen, um über das Verhältnis von „Medien und Minderheiten“ – so der Titel des Treffens – zu diskutieren. Doch nicht nur Nachrichten fördern stereotype Bilder, wie Maximilian Grosser zeigt. Weiterlesen

Norbert Bisky – erste zusammenfassende Werkschau in der Rostocker Kunsthalle

Norbert Bisky       © Anne Benz

Norbert Bisky © Anne Benz

Der 1970 geborene Norbert Bisky gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen deutschen Maler. Die Farblichkeit der Bilder seiner Anfangsjahre bezeichnete der Schüler von Georg Baselitz einmal als „mit Lenor gewaschen“. Sie prägen die Wahrnehmung Biskys und seiner Kunst bis heute. Doch malt Bisky schon lange nicht mehr gleißend helle Bilder von schönen, glücklichen und vor Kraft strotzenden Männern. Seine Motivik hat sich weiter entwickelt. Lag schon in den Anfangsjahren seines Erfolges Bildtiteln wie „Lazarett im Paradies“ oder „Fernzünder“ eine unterschwellige Bedrohung zugrunde ist der Blick des Malers auf die Welt mit den Jahren genauer, aber auch vor allem aber härter geworden. Weiterlesen

Die Visionen des Bauhaus Dessau

Der Wandel der Industriegesellschaft als Projekt angewandter Kunst 

Ferropolis

Es ist noch gar nicht so lange her, da glaubte niemand in Sachsen-Anhalt, dass stillgelegte Schaufelradbagger alter Braunkohle-Tagebaue zu wichtigen Wirtschaftsfaktoren werden könnten. Das Bauhaus Dessau wurde mit dieser verrückten Idee zum wesentlichen Innovationstreiber für die Neugestaltung einer weitgehend zerstörten Landschaft. Seine industriellen Gartenreiche und klingenden Seenlandschaften wurden Ausgangspunkt für eine grundlegende Transformation der Moderne. Von Jutta Schwengsbier. Weiterlesen

Mircea Cartarescu liest in Heidelberg

Mircea Catarescu Die FlügelAm 8. November wird Mircea Cartarescu Rumäniens derzeit wohl international bedeutendster Gegenwartsautor in Heidelberg aus seinem neuen Roman „Die Flügel“ lesen. 25 Jahre nach der Revolution in seinem Heimatland zieht Rumäniens wortgewaltiger Sprachzauberer eine bittere Bilanz. „Die Arbeit an diesem Buch habe sich nur ertragen können, in dem ich zwischendurch andere, optimistischere Bücher schrieb“, sagte er in einem Interview. „Die Flügel“ ist nicht nur erneut ein sprachliches Meisterstück des Postmodernisten und vielleicht letzten Surrealisten der rumänischen Literatur, sondern auch eine beißende Groteske, in der sich Cartarescu mit merkwürdigen Metamorphosen in seiner Heimat auseinandersetzt. Weiterlesen